Carsten Mumm: Nachhaltiger Kapitalanlage gehört die Zukunft

Ausgabe 3/2019Lesedauer: 3 Minuten

Nachhaltigkeit ist derzeit in aller Munde. Vor allem Greta Thunberg und die weltweiten „Fridays for Future“-Demonstrationen haben dem Thema bezogen auf den Klimawandel einen enormen Anschub gegeben. Immer mehr Menschen versuchen, durch einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln und Ressourcen, den Verzicht auf Fahrten mit dem eigenen Auto, den energieeffizienten Ausbau ihres Eigenheims und andere Maßnahmen ihren negativen Einfluss auf die Umwelt zu reduzieren.

Auch in der Finanzindustrie wird „nachhaltige Geldanlage“ immer wichtiger. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) definiert diese als Geldanlagen, die neben den klassischen ökonomischen Kriterien Rentabilität, Liquidität und Risiko zusätzlich Aspekte wie Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung berücksichtigen. Aus dem englischen Sprachgebrauch abgeleitet hat sich der Begriff ESG-Investments (Abkürzung für Environmental, Social and Governance) etabliert.

Bisher fehlen allerdings allgemein anerkannte Kriterien für die trennscharfe Unterscheidung nachhaltiger von nicht-nachhaltigen Kapitalanlagen. Wie genau können umweltgerechte, soziale und gut geführte Unternehmen erkannt werden? Wo liegt die Grenze zwischen ESG-konformen Anlagen und solchen, die nicht-ESG-konform sind?

Diesen Fragen widmen sich seit Jahren Wissenschaftler, Vermögensverwalter, Berater und Anleger. Einzelne institutionelle Investoren oder Interessengruppen, wie kirchliche Organisationen oder Stiftungen, haben erste Orientierungsmarken festgelegt, an denen sich andere teilweise ausrichten. So verzichtet beispielsweise der norwegische Staatsfonds schon lange auf die Investition in Unternehmen der Rüstungs- und Tabakindustrie. Kürzlich wurde zudem beschlossen, die Anlagerestriktionen um Unternehmen, die an der Ausbeutung und Nutzung fossiler Rohstoffe beteiligt sind, zu erweitern.

Auch die Aufsichtsbehörden beschäftigen sich mit nachhaltigen Geldanlagen. So führte die Bafin im Mai 2019 die erste Konferenz zum Thema „Nachhaltige Finanzwirtschaft“ durch. „Wer langfristig im Finanzsektor erfolgreich sein will, wird an dem Thema Nachhaltigkeit nicht mehr vorbeikommen“, sagte Bafin-Präsident Felix Hufeld in seiner Eröffnungsrede. 2017 war die Bafin Gründungsmitglied des „Network for Greening the Financial System“ (NGFS). Seit Anfang 2018 müssen die beaufsichtigten Unternehmen materielle Umwelt- und Klimarisiken in ihrem Risikomanagement explizit berücksichtigen.

Eines der wichtigsten Themen der Aufsichtsbehörden – auch auf europäischer Ebene – ist die Erstellung eines einheitlichen Klassifizierungssystems für nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten (Taxonomie). Der Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums der EU-Kommission vom März 2018 sieht zudem vor, dass Vermögensverwalter und institutionelle Anleger künftig angeben müssen, wie sie Nachhaltigkeitsfaktoren in ihren Investitionsentscheidungen berücksichtigen. Verbraucher werden im Rahmen der Finanzberatung nach ihren Nachhaltigkeitspräferenzen gefragt.
Allerdings spielt Nachhaltigkeit bei der Kapitalanlage für Private bisher nur eine untergeordnete Rolle. Eine repräsentative Umfrage der Bafin belegt, dass den Begriff „nachhaltige Geldanlage“ circa 60 Prozent der Befragten überhaupt nicht kennen. Zwei Drittel gaben jedoch an, sich gut zu fühlen, wenn sie bei einer Kapitalanlage gleichzeitig etwas Gutes tun können. Über 50 Prozent sind der Meinung, dass nachhaltige Geldanlagen zu ihren persönlichen Werten und Zielen passen. Allerdings zeigt die Umfrage auch, dass „nachhaltig“ oftmals pauschal mit „sicher“ gleichgesetzt wird. Hier ist also noch einiges an Aufklärungsarbeit zu leisten.

In den vergangenen Jahren wurde vielfach nachgewiesen, dass Investments in nachhaltige Kapitalanlagen nicht notwendigerweise mit Renditeeinbußen einhergehen. Im Gegenteil kann man mit der Berücksichtigung von ESG-Kriterien sogar essenzielle Geschäftsrisiken auf lange Sicht besser erkennen und entsprechende Anlagen damit vermeiden. So können Unternehmen durch die Beachtung von ESG-Standards die Gefahr von Reputationsschäden, Prozessen und Schadensersatz- oder Bußgeldzahlungen beispielsweise für Umwelt- oder Personenschäden deutlich reduzieren. Positiv auf das Image und damit förderlich für den Unternehmenswert wirkt sich hingegen soziales und gesellschaftliches Engagement aus.