Digitale Einflüsse auf ein ganzheitliches Corporate Reporting

Ausgabe 3/2019Lesedauer: 7 Minuten

Ein integrierter Geschäftsbericht bildet die Brücke zwischen interner Steuerung und externer Finanzkommunikation als Ausdruck einer nachhaltigen Firmenstrategie. Digitalisierung ist der entscheidende Umsetzungsfaktor, um die notwendige Transparenz zu Finanz-, Sozial- und Umweltkennzahlen als Grundlage für diese konsistente Verknüpfung zu liefern. Diese Verknüpfung von finanziellen, sozialen und Umweltaspekten auf das operative Finanzergebnis macht Nachhaltigkeit relevant für den Firmenerfolg. Die ganzheitliche externe Darstellung hilft Organisationen, sich bei ihren wichtigsten Stakeholdern zu differenzieren.
Der Praxisbericht der SAP richtet sich als Anregung an Führungskräfte und Investoren, wie man mit einer nachhaltigen Firmenstrategie langfristigen sozialen, ökologischen und ökonomischen Erfolg sichern und bewerten kann.

Nachhaltigkeit bedeutet für SAP eine große Verantwortung gegenüber internen und externen Interessenvertretern. Die Unternehmensvision „Help the world run better and improve peoples‘ lives“ drückt die nachhaltige Strategie aus. Diese Vision wird umgesetzt, indem SAP Vorreiter für nachhaltiges Handeln sein will – unter anderem durch ganzheitliches Reporting – sowie ihre Kunden durch ein ganzheitliches Lösungs- und Dienstleistungsportfolio in die Lage versetzen will, mittel- und langfristig sozial, ökologisch und finanziell erfolgreich zu wirtschaften.

Der Begriff Digitalisierung ist in aller Munde, weckt Erwartungen zum Beispiel hinsichtlich erhöhter Transparenz und Automatisierung, erzeugt aber auch Befürchtungen, wie die Gefahr für Arbeitsplätze durch ein Mehr an Automatisierung oder den Verlust der Privatsphäre durch scheinbar unkontrollierte Datensammlung. Die Bedeutung von Corporate Digital Responsibility, CDR, nimmt nicht nur im Zusammenhang mit neuer Gesetzgebung zu. Innovationen in der Informationstechnologie, zum Beispiel In-Memory- oder Blockchain-Technologie, unterstützen Unternehmen, Trends der Digitalisierung mit globalen Herausforderungen in Einklang zu bringen. Die Erzeugung und Verfügbarkeit von Daten ist in den vergangenen Jahren explodiert: Laut einer McKinsey-Studie hat sich der Umfang des globalen Datenflusses zwischen 2005 – 2014 um den Faktor 45 vervielfacht, 2020 werden 50 Milliarden Geräte online erwartet. Nur wenige Flecken auf der Erde haben keine Breitbandabdeckung. Big Data, Blockchain, Hyper-Connectivity oder Cloud-Computing ermöglichen nicht nur neue Geschäftsmodelle, sondern bieten neue Möglichkeiten hinsichtlich Frequenz, Umfang und Details des Corporate Reporting, sowohl zur externen Darstellung als auch zur internen Steuerung. Gleichzeitig steigen die Erwartungen der verschiedenen Stakeholder-Gruppen hinsichtlich Tiefe und zeitlicher Verfügbarkeit von wesentlichen Informationen zur sozialen, ökologischen und ökonomischen Leistung einer Organisation bis hin zur Darstellung der gesellschaftlichen Verantwortung eines Unternehmens.

Das Verständnis für die Bedeutung von nicht-finanziellen Aspekten, das heißt die Wirkung von Sozial- und Umweltaktivitäten auf das Ergebnis eines Unternehmens, hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Seit März 2017 ist mit dem CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz die Veröffentlichung von wesentlichen Sozial- und Umweltkennzahlen für Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern in Deutschland verpflichtend.

Digitalisierung und die damit verbundene höhere Datendichte kombiniert mit einfacher und attraktiver Analyse und Darstellung unterstützt die nächste Entwicklungsstufe der ganzheitlichen Berichterstattung. Diese enge Verzahnung von ganzheitlicher interner Steuerung und zukunftsorientierter integrierter externer Finanzkommunikation stellt einen Unterschied zur herkömmlichen, vergangenheitsfokussierten Rechnungslegung dar. Für Investoren bietet diese Mehr an Informationen eine verbesserte Grundlage zur Bewertung des langfristigen Erfolgs eines Unternehmens.

Die Bedeutung von Nachhaltigkeit bei SAP
Nachhaltigkeit bedeutet für SAP eine große Verantwortung gegenüber Mitarbeitern, der Gesellschaft, Investoren, dem SAP-Partner-Ökosystem sowie Bestands- und Neukunden. Die SAP-Vision „Help the world run better and improve peoples‘ lives“ drückt den Nachhaltigkeitsgedanken prominent aus. Diese Vision wird auf zweierlei Arten umgesetzt:

  • Als Unternehmen strebt SAP an, Vorreiter für nachhaltiges Handeln und damit ein vertrauensvoller und zuverlässiger Partner für unsere Kunden und Mitarbeiter sein. 

  • Als Lösungsanbieter setzt das SAP-Portfolio Unternehmen in die Lage, sozialen, ökologischen und natürlich ökonomischen Erfolg zu sichern.

Wie kann dieses nachhaltige oder ganzheitliche Denken bei circa 100.000 Mitarbeitern verankert werden?

Um den ganzheitlichen Ansatz innerhalb der SAP, aber auch extern gegenüber dem Kapitalmarkt greifbar und vergleichbar zu machen, wurden wesentliche Nachhaltigkeitskennzahlen wie Mitarbeiterengagement, -bindung oder Gesamtemissionen über Wirkzusammenhänge mit finanziellen Steuerungskennzahlen verknüpft. Diese Übersetzung von sozialen und ökologischen Aktivitäten in Finanzkennzahlen und deren Auswirkung auf das operative Finanzergebnis hilft, Nachhaltigkeit in der Organisation relevant zu machen und zu verankern. Am Beispiel der Mitarbeiterbindung wird dieser Zusammenhang in der heutigen Zeit des Fachkräftemangels deutlich. In der schnelllebigen IT-Branche bedeutet Wissensverlust ein Geschäftsrisiko, besonders in dynamischen Wachstums- und Innovationsmärkten. Mitarbeiterbindung beschreibt daher, wie effektiv ein Unternehmen seine Leistungsträger halten kann. Das Modell kombiniert den möglichen Umsatzverlust, Wiederbesetzungs- sowie Einarbeitungskosten mit Gehaltseinsparungen durch offene Stellen. Die aktuellen Kostenelemente wie zum Beispiel Umsatz und Kosten pro Mitarbeiter oder Einstellungskosten sind bekannt. Andere Annahmen basieren auf Erfahrungswerten, zum Beispiel gilt eine Einarbeitungszeit von circa sechs Monaten. Umsatzrelevante Werte gehen mit einer Spanne zwischen 40 und 60 Prozent des Brutto-Umsatzes pro Mitarbeiter ein. Der Verlust an geistigem Eigentum wird nicht betrachtet. Für 2018 hätte eine Steigerung oder eine Verringerung der Mitarbeiterbindung um einen Prozentpunkt entsprechend einen positiven oder negativen Einfluss von 55 – 65 Millionen Euro auf das operative Ergebnis der SAP haben können

Im Vergleich zum beschriebenen finanziellen Einfluss der sozialen Aspekte kann eine Änderung von einem Prozent der Gesamtemissionen das operative Betriebsergebnis um rund sechs Millionen Euro beeinflussen. Trotz der unterschiedlichen Berechnungsweise zeigt sich die große Bedeutung von sozialer Nachhaltigkeit und damit der notwendige Fokus auf Mitarbeiter als Grundlage für die langfristige Sicherung der Performance einer innovativen Wissens-Organisation.

Im Sinne der firmenweiten Transparenz stehen allen SAP-Mitarbeitern die relevanten Sozial- und Umweltkennzahlen sowie deren finanzielle Auswirkungen in einem Nachhaltigkeits-Dashboard zur Verfügung. Umweltkennzahlen sind weltweit komplett verfügbar. Der Zugriff auf Sozialkennzahlen wird entsprechend der geltenden Datenschutzbestimmungen durch globale Rollen- und Berechtigungskonzepte geregelt. Ziel dieser Transparenz ist es, ganzheitliches Denken und eine ganzheitliche Steuerung in der gesamten Organisation zu verankern.

Die ganzheitliche Leistungsanalyse ist immer noch ein viel beachtetes Alleinstellungsmerkmal des bereits siebten Integrierten Reports für das Geschäftsjahr 2018. Auch wenn das SAP-Geschäftsmodell als IT-Unternehmen erheblich einfacher ist als das vieler Branchen, gilt der Kerngedanke der quantifizierbaren Zusammenhänge zwischen sozialer und ökologischer Leistung und dem Finanzergebnis jedoch für alle Industrien. Letztendlich werden dazu verfügbare Daten genutzt und die sind in den meisten Unternehmen ausreichend, jedoch meist verstreut, vorhanden. Immer mehr Stakeholder erwarten dies von innovativen Unternehmen.

Sicherung des langfristigen Geschäftserfolgs durch ganzheitliche Steuerung in der täglichen Arbeit
Digitalisierung ermöglicht durch eine einfachere, zeitnahe und genauere Datenerhebung, -konsolidierung und -analyse eine bessere ganzheitliche Betrachtung von Nachhaltigkeitsaktivitäten und deren finanzielle Auswirkungen. Diese Transparenz unterstützt Risikovermeidung und sichert die Einhaltung von gesetzlichen Anforderungen, macht Effizienzsteigerung sichtbar oder erfasst den Erfolg von neuen, transformativen Geschäftsmodellen. Deckungsbeitrag, Umsatz und Finanzrisiken dienen heute als zentrale Grundlage der operativen Steuerung. Die Quantifizierung von Wirkzusammenhängen zeigt, dass die Kombination der klassischen finanziellen Betrachtung mit monetarisierten sozialen und Umweltdaten zu einer ganzheitlichen Steuerung und so zu einem besseren Unternehmensergebnis führen kann. Das alte Vorurteil „Nachhaltigkeit oder Profit“ hält diesem Ansatz nicht stand, sondern es geht um die langfristige Sicherung des Geschäftserfolgs durch Nachhaltigkeit beziehungsweise ganzheitlicher Steuerung.

Doch selbst wenn steuerungsrelevante Kennzahlen bereitgestellt werden, müssen Führungskräfte von der Umsetzung ganzheitlicher Unternehmenssteuerung mit integrierten Sozial- und Umweltdaten überzeugt werden. Momentan scheinen Sozial- und Umweltkennzahlen immer noch in den Fachbereichen getrennt analysiert und berichtet werden, ohne eine Verbindung mit den finanziellen Steuerungskennzahlen anzustreben. Der notwendige Sinneswandel wird im besten Fall durch die Verankerung von Sozial- und Umweltzielen im Gehaltssystem eingeleitet. Innovative Unternehmen weisen dies bereits in der Vorstandsvergütung aus.

Immer mehr Investoren und Ratingagenturen fordern Informationen zu nicht-finanziellen Leistungen eines Unternehmens. Die dargestellten neuen Möglichkeiten der Zusammenfassung und Darstellung im Rahmen eines ganzheitlichen und transparenten Reportings erlauben einem Unternehmen, sich gegenüber diesen Interessengruppen im Markt zu differenzieren.

Die Entwicklung der externen Darstellung und Steuerung ganzheitlicher Unternehmensleistung geht jedoch über die Firmengrenzen hinaus. Zusammen mit BASF, Bosch, Novartis, Deutscher Bank, LafargeHolcim, Philip Morris International und SK hat SAP im August 2019 die „Value Balancing Alliance“ als Non-Profit-Verein in Frankfurt gegründet. Ziel dieses Vereins wird sein, über die nächsten drei Jahre ein standardisiertes Modell zur Messung und Offenlegung der ökologischen, menschlichen, sozialen und finanziellen Werte, die Unternehmen in und für die Gesellschaft leisten, zu erstellen. Die Ergebnisse werden öffentlich zugänglich gemacht und sollen helfen, in Zusammenarbeit mit Wirtschaftsprüfern, Gesetzgebern und der OECD neue Standards für eine ganzheitliche Berichtslegung als Darstellung der Sicherung des langfristigen und nachhaltigen Firmenerfolges zu erarbeiten.


ÜBER DEN AUTOR
Will Ritzrau ist Director Sustainability bei SAP SE. SAP steht für Systeme, Anwendungen, Produkte in der Datenverarbeitung. SAP wurde 1972 in Walldorf gegründet und verfügt heute über Niederlassungen auf der ganzen Welt. Innovationen ermöglichen 437.000 Kunden weltweit eine effiziente Zusammenarbeit und die zielführende Nutzung geschäftlicher Erkenntnisse.

Mehr Informationen unter: www.sap.com


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