ESG ist mehr als Marketing: Es ist eine Überzeugung

Ausgabe 3/2019Lesedauer: 5 Minuten

Das Thema Nachhaltigkeit und der Begriff ESG (Environmental, Social und Governance) sind für die Immobilienbranche und für Investoren keine Neuheit mehr. Oft werden sie jedoch auf Umweltaspekte, also auf das „E“, reduziert, die sozialen Aspekte „S“ und eine nachhaltige Unternehmensführung „G“ treten noch immer in den Hintergrund. Ein Fehler, da das volle Potenzial mit entsprechenden Synergieeffekten nur durch eine ganzheitliche Betrachtungsweise gehoben werden kann – und diese lässt sich eben nicht nur auf die Außendarstellung und das Marketing reduzieren. Wer grundsätzlich eine ESG-Strategie in seinen Unternehmenswerten verankert, Maßnahmen im eigenen Unternehmen und bei den verantworteten Immobilien gleichermaßen umsetzt, sorgt für langfristige Verhaltensänderungen, schafft Authentizität und kann sich im Markt zukünftig weiterhin profilieren.

Nachhaltigkeitszertifizierungen sind ein wichtiges Instrument, um ein komplexes Thema mit zahlreichen Facetten zu operationalisieren und bei der Beurteilung wichtiger Aspekte eine schnelle, objektivierte Einschätzung zu vermitteln. Die Tücke steckt jedoch im Detail: Gerade „S“ und „G“ fließen bei dieser Einschätzung nicht ausreichend mit ein. Insbesondere die grundsätzliche Haltung der Unternehmen zu Umwelt und zu sozialen Kriterien müsste an Bedeutung gewinnen.

Die Unternehmen, welche entsprechende Gebäude entwickeln, revitalisieren, managen oder im Bestand halten, tragen eine besondere Verantwortung. Der Einfluss des Denkens und Handelns der einzelnen Mitarbeiter und Mieter auf die Nachhaltigkeit einer Immobilie wird häufig noch außer Acht gelassen.

Jegliche Auswirkungen auf die Umwelt gehören in die Betrachtung
Angesichts der Verschärfung des regulatorischen Umfelds in der EU, angeführt von der Taxonomie, wird „E“ für Unternehmen immer relevanter. Insbesondere die Ressourcenschonung steht im Vordergrund. Auf Immobilienebene können umweltbezogene Maßnahmen umfassend umgesetzt werden. Wichtig ist es zum einen, Zusammenhänge zu erkennen und Ressourcen schonend zu nutzen. Zum anderen gilt es auch hier, langfristig zu denken und bei Gebäuden den gesamten Lebenszyklus zu betrachten.

Da gewerbliche Mieter zunehmend selbst Nachhaltigkeitsziele verfolgen, sollte es auch in ihrem Interesse sein, wenn Umweltaspekte bei angemieteten Immobilien berücksichtigt werden. Oft vernachlässigt und schwer zu planen ist das Nutzerverhalten. Ohne die richtige Anwendung und Anleitung kommt das Potenzial einer hochwertigen technischen Gebäudeausstattung nicht zur vollen Entfaltung.

Die für ein Gebäude verantwortlichen Unternehmen sollten die Ressourcenschonung aus Überzeugung vorleben und umsetzen. Das Spektrum ist breit und reicht von der Energieeffizienz des eigenen Verwaltungsgebäudes über das Verhalten der einzelnen Mitarbeiter bis hin zur Green Travel Policy.

Die Einflüsse auf das soziale Leben werden oft unterschätzt
Das „S“ umfasst im Wesentlichen die gesellschaftlichen Auswirkungen bei Immobilien. Wenn sich ein Gebäude in das urbane Umfeld einbettet und dadurch einen Mehrwert für die Mieter und die Gesellschaft schafft, profitiert auch das Investment. Dies gilt einerseits aus städtebaulicher und architektonischer Sicht. Andererseits aber auch ganz besonders für das Nutzungskonzept: Mischgenutzte Quartiere, kurze Wege zum Arbeitsplatz und zur Freizeitaktivität, Nahversorgung ohne Auto und ein bunter, vielfältiger Mietermix von jung bis alt sind langfristig gewinnbringend.

Ein Unternehmen, das für die Vermarktung stark auf soziale Aspekte achtet, intern aber seine Mitarbeiter und Geschäftspartner nicht wertschätzt, gerät in Verdacht, lediglich kommerzielle Ziele zu verfolgen. Der respektvolle Umgang mit Kollegen, Dienstleistern, Unternehmenspartnern und anderen Marktteilnehmern sollte eine Selbstverständlichkeit sein, die zudem bei allen Beteiligten zu mehr Zufriedenheit und damit zu einer natürlichen Motivation führt.

Rein monetäre Ziele führen nicht zu langfristigem Unternehmenserfolg
Das „G“ steht für eine umsichtige Unternehmensführung und dass das vorgelebt wird, was man predigt. Erfolgreiches Wirtschaften ist eine Grundvoraussetzung jeglichen Unternehmertums – aber mit Augenmaß. Ein Nachhaltigkeitsverantwortlicher und jährliche Compliance-Schulungen sind dabei eher Randnotizen, die dabei helfen, nicht über die Stränge zu schlagen.

Eine festgeschriebene und gelebte Unternehmenskultur, die auch den veränderten Bedürfnissen und Werten nachwachsender Generationen gerecht wird, kann die Mitarbeiter motivieren und bietet eine Plattform, auf der alle Kollegen ihren individuellen Beitrag und somit einen bedeutenden Gesamtbeitrag für den Unternehmenserfolg leisten können. Weitergeführt bedeutet das jedoch auch, dass man als Unternehmen selektiv mit Partnern zusammenarbeitet, die die eigenen Werte teilen. Messbare Kriterien müssten definiert und abgefragt werden. Glaubwürdigkeit und langfristig ausgerichtete Entscheidungen ersetzen so den kurzfristig betrachtet größeren Profit. Dies setzt eine klare Haltung und einen offenen Dialog voraus, der ein deutliches Signal an den Markt sendet, dass ESG für die Immobilienbranche wirklich wichtig ist. Diese Signale erhöhen die Chance, dass sich weitere Unternehmen den Bedürfnissen der Investoren in Sachen ESG annehmen.

Fazit
Ziel ist, ine ganzheitliche Betrachtung der Immobilie zu verankern, die sich durch umgesetzte Nachhaltigkeitsaspekte hervorhebt und dennoch Gewinn erwirtschaftet. Durch konzeptionelles und langfristiges Denken und Handeln ist dies möglich und kann die Branche positiv verändern. Vorreiter, die sowohl im Unternehmen als auch in ihren Produkten das ESG-Prinzip erfolgreich umsetzen, gibt es bereits. Je mehr auf diesem Pfad folgen und je schneller dies geschieht, umso größer wird der Erfolg sein.

Wenn Nachhaltigkeit und Profitabilität langfristig im Einklang stehen, wird daraus ein Managementansatz, der die Performance steigert. Und erst dann lässt sich ESG effektiv auch auf der Immobilienebene glaubwürdig umsetzen. Die Integration des nachhaltigen Denkens und Handelns in die unternehmerische DNA ist ein iterativer Prozess, der konsequent vorangetrieben werden muss. Dies setzt jedoch Authentizität, Disziplin und Aufrichtigkeit voraus. Erst dann ist ESG mehr als Marketing: Es ist eine Überzeugung.

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