Nachhaltigkeitsansatz auf Fondsebene zu Ende Denken

Ausgabe 3/2019Lesedauer: 4 Minuten

Das Thema Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Trendthema oder Dauerbrenner? Die Redaktion der HANSAWELT sprach mit Stefanie Kruse, Nachhaltigkeitsbeauftragte der HANSAINVEST, und Dr. Jörg W. Stotz, Geschäftsführer der HANSAINVEST, über die Relevanz des Themas sowie die Auswirkungen auf das Unternehmen selbst und das Dienstleistungsangebot.

HANSAWELT: Herr Dr. Stotz, ein regelrechter Nachhaltigkeitsboom scheint ausgebrochen. Wird das Thema weiter an Bedeutung gewinnen?

Dr. Jörg W. Stotz: Das Thema Nachhaltigkeit ist meines Erachtens nicht nur eine Welle, die über uns alle schwappt, sondern eine Bewegung, die nicht aufzuhalten ist und uns auch in Zukunft stetig begleiten wird. Dabei geht es um ein Grundverständnis von Verantwortung für unsere Welt aus ökologischer, sozialer und ökonomischer Perspektive. Zum Teil wird behauptet, diese Diskussion ist rein regulationsgetrieben und wir können nicht leugnen, dass durch die Debatte um die EU-Taxonomie Schwung in die Diskussion gekommen ist. Aber dies greift unseres Erachtens nach zu kurz. Wir sind davon überzeugt, dass wir als Unternehmen eine Verantwortung sowohl für unsere Stakeholder als auch für unsere Umwelt und unsere Gesellschaft haben. Und am Ende zeigt auch der Austausch mit unseren Geschäftspartnern die Bedeutung des Themas.

HANSAWELT: Wie sehen diese das Thema?

Dr. Stotz: In vielen Gesprächen wird deutlich, dass institutionelle Investoren immer umfassendere Vorgaben an nachhaltige Investments haben. An einer Fondslösung beteiligte Dienstleister sollten diese Anforderungen aber nicht nur im Rahmen eines nachhaltigen Produktangebots berücksichtigen, sondern auch selbst nachhaltige Aspekte in die Unternehmensführung einbeziehen. Nur so können Initiatoren das Thema Nachhaltigkeit konsequenter zu Ende denken. Reduzieren wir den Aspekt der Nachhaltigkeit nur auf die Produktebene, entspricht dies bei einem nachhaltigen Investment meines Erachtens nach nur der halben Wahrheit und ist Etikettenschwindel. Aus diesem Grund wird es immer wichtiger, Partner an seiner Seite zu haben, die ebenfalls nachhaltig denken. Das gilt bei dem Produkt Investmentfonds nicht nur für den Initiator oder Asset Manager, sondern auch für die Verwahrstelle oder die Service-KVG.

HANSAWELT: Was bedeuten die Einschätzungen und Erkenntnisse für die HANSAINVEST und ihre Geschäftsstrategie?

Stefanie Kruse: Als Service-KVG beschäftigen wir uns mit dem Thema Nachhaltigkeit nicht nur im Rahmen unserer eigenen Unternehmensstrategie, sondern natürlich auch bei dem Angebot für unsere Partner. Die Entwicklung unserer bisherigen Geschäftsstrategie treiben wir unter nachhaltigen Gesichtspunkten kontinuierlich voran. Als wichtigen Baustein unserer Ausrichtung haben wir gerade die SDGs in unsere Strategie aufgenommen, um diese bei geschäftlichen Entscheidungen soweit wie möglich genauso zu berücksichtigen wie die ESG-Kriterien im Chancen- und Risikomanagement. So können wir unseren aktiven Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung weiter steigern und auch zukünftig unsere gesellschaftspolitische, ökologische und soziale Verantwortung als Unternehmen tragen.

Dr. Stotz: Und um der Relevanz des Themas gerecht zu werden, haben wir entschieden, dieses Thema in die Hände einer Nachhaltigkeitsbeauftragten zu legen. Frau Kruse hat eine entsprechende Ausbildung zum SRI-Advisor an der European Business School erfolgreich abgeschlossen und diesen Bereich übernommen.

HANSAWELT: Frau Kruse, geben Sie uns einen kleinen Einblick in die Entwicklung des Nachhaltigkeitsmanagements?

Kruse: Sehr gerne. Wie vermutlich schon deutlich geworden ist, ist Nachhaltigkeit für uns ein facettenreiches Thema, das sowohl die eigene Geschäftsstrategie als auch das Dienstleistungsangebot betrifft. Inhalte, die bei der Entwicklung des Nachhaltigkeitsmanagements derzeit auf unserer Agenda stehen, sind beispielsweise die Entwicklung eines Konzepts zur nachhaltigen Nutzung von Ressourcen, ein Schulungsangebots für Mitarbeiter und Externe sowie die Entwicklung eines Kennzahlen- und Reportingsystems, um Erfolge sichtbar zur machen. Ziel ist es, alle Mitarbeiter in unsere ESG-Strategie einzubinden und so einen tatsächlichen Beitrag zu den SDGs zu leisten. Darüber hinaus bauen wir mit neuen strategischen Partnerschaften unser nachhaltiges Netzwerk weiter aus.

HANSAWELT: Um welche Partnerschaften handelt es sich genau?

Kruse: Dies ist ganz unterschiedlich. Die HANSAINVEST setzt bereits seit Jahren die BVI-Wohlverhaltensregeln um, auch ist die Unterzeichnung der UN Principles for Responsible Investment in unserer Rolle als Fonds-Administrator geplant. Ab sofort sind wir auch Mitglied des Forum Nachhaltige Geldanlagen e. V., kurz FNG, in unseren Augen auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit eine der wichtigsten Plattformen am Kapitalmarkt. Viele Ziele des FNG stehen auch bei uns auf der Agenda, wie beispielsweise die aktive Förderung von Entwicklung, Transparenz und Qualität nachhaltiger Finanzprodukte.

HANSAWELT: Sie brachten die Fondspartner jetzt schon ein-, zweimal ins Spiel. Wie sieht das Angebot beziehungsweise die Unterstützung der HANSAINVEST denn konkret aus?

Kruse: Bezogen auf unser Geschäftsmodell und unsere Partner arbeiten wir an einer Plattform, die es Initiatoren und Asset Managern erlauben wird, Nachhaltigkeit effizient, günstig und ressourcenschonend in die Fondsarchitektur einzubauen. Das Neue daran: Auch wir als Kapitalverwaltungsgesellschaft schließen Verträge mit Nachhaltigkeitsagenturen wie etwa ISS OEKOM und Indexanbietern wie etwa MSCI und implementieren die Daten in unsere Systeme. Der Verwalter, der einen nachhaltigen Fonds anbieten möchte, kann sich einfach auf unserer Infrastruktur für einen Datenprovider entscheiden.

Dr. Stotz: Außerdem unterstützen wir unsere Geschäftspartner bei der Auflegung von nachhaltigen Produkten mit unserem Know-how bei der Umsetzung des jeweiligen Konzepts. Dazu zählt auch unsere bereits erwähnte FNG-Mitgliedschaft. Denn die Entwicklung von Qualitätsstandards für nachhaltige Geldanlageprodukte treibt das FNG ebenfalls stetig voran. Unsere Fondspartner wollen wir als Service-KVG dabei beratend unterstützen, ihre Investmentfonds so zu konzipieren, dass sie die Qualitätsstandards für nachhaltige Publikumsfonds erfüllen und entsprechende Auszeichnungen erhalten. Insgesamt wollen wir unser Angebot für unsere Fondspartner stetig erweitern, beispielsweise auch durch ein nachhaltiges Risikomanagement oder ein Nachhaltigkeits-Reporting – sowohl für den Service-Partner als auch für die Anleger selbst.

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