Vereinte Nationen: Invest in Visions unterstützt nachhaltige Entwicklungsziele

Ausgabe 3/2019Lesedauer: 5 Minuten

„Leaving no one behind“ lautet die Devise, unter der im September 2015 die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen verabschiedet wurden. Die Sustainable Development Goals — kurz: SDGs — bauen auf den Millennium Goals aus dem Jahr 2000 auf, die sie zugleich erweitern und vollenden sollen.

17 SDGs sind es an der Zahl, mit 169 Zielvorgaben. „Nachhaltigkeit“ wird dabei umfassend in drei Dimensionen verstanden: wirtschaftlich, sozial und ökologisch. Neben der Beseitigung von Armut und Hunger sowie der Bekämpfung des Klimawandels als wohl größte Herausforderungen stehen daher viele weitere und unterschiedliche Ziele im Fokus. Dazu gehören der Zugang zu sauberer Energie, Geschlechtergleichheit und die Selbstbestimmung aller Frauen, die Verringerung von Ungleichheiten, menschenwürdige Arbeit für alle sowie die Verbreitung von Frieden und Gerechtigkeit auf der Welt, um nur eine Auswahl zu nennen. Dieses universelle wie ambitionierte Entwicklungsprogramm soll bis zum Jahr 2030 umgesetzt werden, weshalb es auch als „Agenda 2030“ bezeichnet wird.


Es bleibt noch viel zu tun
Seit Inkrafttreten der SDGs am 1. Januar 2016 sind bald vier Jahre vergangen. Die bisherige Bilanz ist durchwachsen. Zwar hat ein im Juli 2019 veröffentlichter Zwischenbericht¹ der Vereinten Nationen einige Bereiche identifiziert, in denen Fortschritte gemacht wurden. Bei vielen Zielvorgaben liegt vor der Weltgemeinschaft aber noch ein weiter Weg. So nimmt die extreme Armut zwar global ab, doch bei Weitem nicht so schnell, dass sie bis 2030 tatsächlich beendet werden könnte. Auch die Anzahl der unterernährten Menschen bleibt mit 821 Millionen erschreckend hoch. 617 Millionen Kinder und Jugendliche können weiterhin weder lesen noch rechnen. In einer Vielzahl von Schulen fehlen sauberes Wasser und sanitäre Anlagen, ganz zu schweigen von Computern oder einer Internetverbindung. Überhaupt bleibt Wasser ein großes Problem: 785 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, 700 Millionen sind aufgrund extremer Trockenheit vom Verlust ihres Lebensraums bedroht. Am stärksten betroffen ist von diesen und weiteren Problemen die ländliche Bevölkerung in den Entwicklungsländern.

Sollen die SDGs bis 2030 tatsächlich erreicht werden, müssen die Bemühungen in den kommenden Jahren erheblich verstärkt werden. António Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen, fordert im Vorwort des Zwischenberichts daher eine „umfassendere, schnellere und ehrgeizigere Antwort“ auf die bestehenden Probleme, um die „soziale und ökonomische Transformation zu entfesseln“, die zur Umsetzung der Agenda 2030 notwendig ist.

Private Finanzwirtschaft gefordert
Doch wie soll das gelingen? Die weltweite Entwicklungshilfe von insgesamt 153 Milliarden US-Dollar (2018) reicht bei Weitem nicht aus, um den identifizierten Investitionsbedarf zu decken. Schätzungen zufolge sind jedes Jahr Investitionen im Wert von rund 2,5 Billionen US-Dollar notwendig, um die SDGs allein in den Entwicklungsländern zu erreichen². Die enorme Lücke zwischen Bedarf und offizieller Entwicklungshilfe kann nur geschlossen werden, indem privates Kapital im großen Stil in Bereiche umgeleitet wird, die zur Umsetzung der SDGs beitragen. „Shifting the trillions“ nennt das die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Eine der Erfolg versprechendsten Strategien, um Kapital nachhaltig einzusetzen, ist Impact Investing. Beim Impact Investing handelt es sich um eine Investmentstrategie mit doppelter Zielsetzung: Neben einer finanziellen Rendite muss die Investition auch eine sozial-ökologische Rendite abwerfen. Vage Absichtserklärungen reichen dafür nicht aus. Die angestrebte soziale oder ökologische Wirkung muss vor dem Investment klar definiert werden und im Nachhinein messbar sein.

Impact Investing und SDGs bei Invest in Visions
Seit der Unternehmensgründung 2006 erzielen wir bei Invest in Visions durch Impact Investing eine positive soziale Wirkung. 2011 legte das Unternehmen den IIV Mikrofinanzfonds auf, der mittlerweile ein Volumen von über 700 Millionen Euro erreicht hat. Über diesen werden Mikrokredite an Kleinstunternehmer in Entwicklungsländern vergeben, die von kommerziellen Banken aus verschiedenen Gründen kein Geld erhalten, weil sie zum Beispiel nur ungenügende Kreditsicherheiten bieten, über kein regelmäßiges Einkommen verfügen oder fernab der Zentren auf dem Land leben. Typische Kreditnehmer sind GemüsehändlerInnen, SchneiderInnen, ViehzüchterInnen und HandwerkerInnen, die Saatgut, Werkzeuge, Materialien oder andere Rohstoffe kaufen. Dadurch können sie ihr Geschäft erweitern oder finanzielle Engpässe überbrücken, die beispielsweise durch Dürreperioden entstehen.

Die Vergabe von Mikrokrediten trägt zu mehreren Entwicklungszielen bei. An erster Stelle steht die Bekämpfung von Armut und Hunger (SDGs 1 und 2). Zugleich helfen die Mikrokredite beim Abbau von Ungleichheiten (SDG 10), schaffen Arbeitsplätze (SDG 8) und fördern privates Unternehmertum (SDG 9). Dies gilt insbesondere im Hinblick auf Frauen (SDG 5). Denn gut die Hälfte der Kreditnehmer des IIV Mikrofinanzfonds ist weiblich, was — gemessen an der untergeordneten sozialen Stellung der Frau in einigen Zielländern — ein überdurchschnittlich hoher Wert ist. Bei der Vergabe von Krediten achten wir im Übrigen streng darauf, dass die Mikrofinanzinstitute, mit denen wir zusammenarbeiten, die Client Protection Principles der SMART-Campaign befolgen und ihre Kunden effektiv vor Überschuldung und anderen finanziellen Risiken schützen³.

Damit die „Agenda 2030“ keine Utopie bleibt und die SDGs erreicht werden, wollen auch wir unsere Bemühungen noch verstärken. So arbeiten wir daran, zusätzlich zum IIV Mikrofinanzfonds einen „SDG-Fonds“ auf den Markt zu bringen, der gezielte Investitionen in weitere Entwicklungsziele ermöglicht. Im Fokus stehen dabei aktuell die SDGs 4 (Inklusive und hochwertige Bildung), 6 (Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser) und 7 (Zugang zu nachhaltiger Energie).

Als Mikrofinanzinvestor der ersten Stunde handeln wir dabei aus der festen Überzeugung, dass wirkungsorientierte Investitionen einen wichtigen Beitrag leisten, damit das Versprechen der Vereinten Nationen in Erfüllung geht und 2030 gesagt werden kann: „Niemand wird mehr zurückgelassen“.

ÜBER DIE AUTORIN
Edda Schröder ist geschäftsführende Gesellschafterin und Gründerin der Invest in Visions GmbH. Diese hat sich auf die Finanzierung von nachhaltigen Investitionen spezialisiert und verwaltet mit einem international aufgestellten Team über 700 Millionen Euro in den Kernbereichen Mikrofinanz und Impact Investing. Invest in Visions ermöglicht institutionellen und privaten Anlegern den Zugang zu Anlagen, die neben finanziellen Erträgen auch eine soziale Rendite bieten und eine positive Auswirkung auf Gesellschaft und Umwelt haben.